Der Blog für clevere Bauunternehmer
05.07.2018

Skonto oder Nachlass?

Als ehemaliger Bauunternehmer habe ich viele verschiedene Angebote für meine Kunden kalkuliert und oft erlebt, dass es für Kunden normal ist, die Preise im Handwerk anschließend nachzuverhandeln.
Ebenso bin ich bei der Zahlungsmoral mancher Kunden ins Schwitzen gekommen. Kann ich mit den vorhandenen Geldmitteln die nachfolgenden Aufträge noch zwischenfinanzieren?
Was kann ich nun als Bauunternehmer tun, um dennoch an Aufträgen Gewinn zu machen und den Kunden nicht vor den Kopf zu stoßen?
Voraussetzung für einen Preisnachlass oder Skonto ist eine gesunde Kalkulation!

1. Was versteht man unter Skonto und Nachlass?

Ein Nachlass wird vom bietenden Unternehmer auf das bereits abgegebene oder abzugebende Angebot gewährt, um den Auftrag gegenüber seinen Mitbewerbern zu gewinnen. Der Nachlass berechnet sich auf die Netto-Rechnungssumme, also ohne Umsatzsteuer. Nachlässe verringern immer den Umsatz.
Skonto ist ein Preisnachlass, den ein Unternehmer mit seinem Kunden für die sofortige Zahlung oder eine schnelle Zahlung innerhalb einer kurzen Zahlungsfrist vereinbart. Die Höhe von 2 bis 3 % wird auf die Netto-Rechnungssumme mit einer festgelegten Zahlungsfrist abgezogen. Skonti verringern den Gewinn.
Wichtig ist, dass Vereinbarungen in Besonderen oder Zusätzlichen Vertragsbedingungen getroffen werden.
→ Was passiert bei einer Nichtvereinbarung?
Sollte einer Deiner Kunden automatisch Skonto vom Rechnungsbetrag ziehen, ohne dass eine Vereinbarung getroffen wurde, dann hat er nicht rechtens gehandelt. Ich empfehle Dir, den einbehaltenen Betrag einzufordern.

2. Skonto – was beachten?

Das Skonto wird immer von dem Betrag gezogen, bei dem bereits der Nachlass berücksichtigt wurde. Jedoch ziehen Auftraggeber gern vom vollen Betrag, bei dem der Nachlass noch nicht abgerechnet wurde, das Skonto. Sollte das bei einer Teilrechnung passieren, hilft Dir eine Kalkulationssoftware z. B. nextbau. Der fehlende Betrag wird einfach in jede Abschlagsrechnung mitgenommen und bleibt bei Nichtzahlung bis zur Abschlussrechnung erhalten.

3. Achtung – auch beim Verhandeln des Nachlasses und Skontos solltest Du aufpassen!

Wichtig ist: Alles, was ich an Nachlässen oder Skonti gewähre, muss ich im Vorfeld auf die Einkaufskosten umgelegen. Wenn nicht, solltest Du dies bei Deinen Verhandlungen mit den Lieferanten bedenken. Ebenso müssen die kalkulierten Zeitansätze angepasst werden. Wenn Du das nicht beachtest, geht die gesamte Preisreduzierung zulasten Deines Gewinns und kann auch zu Verlusten führen.
Hierzu ein Sprichwort: „Wer viel gibt, gibt nicht lange“
Mein Tipp: Bereite Dich auf Preisverhandlungen gut vor! Hab am besten einen Taschenrechner in der Hosentasche, um mögliche Preisnachlässe schnell umzurechnen. Bereits 3 % können bei einem hohen Auftragswert sehr viel Geld sein. Zum Beispiel gewähren Bauunternehmer gern mal 3 % Skonto. Erst anschließend wird ihnen bewusst, dass diese Aktion auch schnell 30.000 Euro weniger Auftragswert bedeuten können. Vorausgesetzt der Kunde zahlt im Zahlungsziel. Bei professionellen Kunden kannst Du Dir sicher sein, dass solch ein hoher Rabatt mitgenommen wird.
Lies Dir die Verträge, die Du bekommst, genau durch. Erfahrungsgemäß verstecken sich darin auch noch mal bis zu 2 % Abzüge in Form von Baustrom, Bauwasser, Bauwesenversicherung (lass Dir zum Versicherungsabschluss einen Nachweis zeigen) und Nebenkosten der Baustelle.
Also immer schön auf der Hut sein und an das Sprichwort denken. ;-)
Und ich gebe Dir noch ein weiteres Sprichwort mit auf den Weg: „Gebe ich von meinem Wenigen, habe ich selbst nichts mehr“.
Bleib neugierig!
DerKalkulierer in der Verhandlung
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Kommentare:
UGasi - 10.07.2018 10:24 Uhr
Am 05.07.2018 schrieben Sie in Ihrem Blog zum Thema "Skonto oder Nachlass":
"Die Höhe von 2 bis 3 % wird auf die Netto-Rechnungssumme mit einer festgelegten Zahlungsfrist abgezogen."
Gestatten Sie mir - auch als Chemnitzer - darauf hinzuweisen, dass Skonto immer "ein Teil einer Zahlungsbuchung ist" und somit nie von Netto, sondern vom Bruttobetrag gerechnet werden muss. Dementsprechend beinhaltet sogar Skonto logischerweise auch Umsatzsteuer...
Ich bin gespannt, ob ich bei Ihnen hier im Blog noch andere interessante Themen finde..
Weiterhin Viel Erfolg!
Antwort 17.07.2018 von DerKalkulierer
Hallo UGasi,
vielen Dank für deinen Kommentar.
Grundsätzlich hast Du natürlich recht, dass das Skonto immer vom Bruttobetrag gezogen wird. Beim Schreiben meines Blogs war ich wahrscheinlich in der Gedankenwelt von der Kalkulationssoftware nextbau ;-). Das Skonto hat dort eine eigenständige Position und weist das Skonto als netto, dann die Umsatzsteuer und schlussendlich den Bruttobetrag aus.
Danke für den Hinweis ich werde mich befleißigen in Zukunft genauer zu schreiben. :-)
Viele Grüße
DerKalkulierer
Rüdiger Ramke - 10.07.2018 12:32 Uhr
Die Vereinbarung eines Nachlasses und oder Skontos muss nicht eine Einbahnstraße sein. Auch der Unternehmer als Auftragnehmer kann mit seinen Subunternehmern oder auch Lieferanten entsprechende Vereinbarungen aushandeln. Voraussetuung dafür ist aber eine wirksame Vereinbarung über das Skonto. Bei VOB/B-Verträgen darf der Skontoabzug gemäß § 16 Abs. 5 Nr 2 VOB/B nur erfolgen, wenn
a) ein Skonto überhauapt wirksam vereinbart ist und
b) wenn die Voraussetzungen des Skontoabzuges vorliegen.
Es bedarf also zum einen einer zulässigen Höhe des Skonto und zum anderen eine entsprechende Skontofrist. Hieran scheitern oftmals die meisten Skontoabreden. Unternehmer und Auftraggeber sind also gut beraten, wenn Sie vorab sich über die Wirksamkeitsvoraussetzungen und deren Formulierung entsprechende Gedanken machen, denn: Gutmütigkeit führt auf Dauer zur Bettelei. Und das muss ja nicht sein.
Antwort 17.07.2018 von DerKalkulierer
Hallo Rüdiger,
vielen Dank für Deinen Kommentar und Deine Anmerkungen. Ich bin persönlich ein Verfechter von Skonto. Denn einen gewährten Nachlass zieht der Kunde eventuell noch nach 90 Tagen. Da habe ich lieber das Gewinnausfallrisiko - nach Ablauf der kurzen Skontofrist ist dann die komplette Rechnungssumme fällig.
Viele Grüße
DerKalkulierer
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