Der Blog für clevere Bauunternehmer
20.09.2018

Wagnis - die Verlustgefahr!

In meinem Blogpost zu den EFB-Preis-Blättern habe ich bereits die Kalkulationsgrößen Wagnis und Gewinn erwähnt und Dir versprochen noch mal tiefer in die Materie einzutauchen.
Bis 2017 wurde das Wagnis ohne Unterteilung abgefordert – es hieß keine Leistung, kein Wagnis. Ab 1. Januar 2018 muss laut Vergabe- und Vertragshandbuch (VHB-Bund 2017) bei der Kalkulation in betriebsbezogenes und leistungsbezogenes Wagnis unterschieden werden, denn das ist bei Nachträgen (Minderung, Wegfall von Leistungen, Teilkündigung oder Kündigung des Auftrages durch den Auftraggeber) von Bedeutung, weil Du hier Anspruch auf Baustellengemeinkosten (BGK), Allgemeine Geschäftskosten (AGK) und betriebsbezogenes Wagnis hast.
Die Änderung geht zurück auf ein Urteil vom 24. März 2016 des BGH (Az.: VII ZR 201/15), in dem entschieden wurde, dass das betriebsbezogene Wagnis nicht als ersparte Aufwendung in Abzug zu bringen ist.

Leistungs- und betriebsbezogenes Wagnis

Was wird unter den beiden Wagnisarten verstanden?
Wodurch entstehen leistungsbezogenes und betriebsbezogenes Wagnis:
  1. Leistungsbezogenes Wagnis:
    • fehlerhafte Ausschreibung,
    • nicht ausreichende Prüfung des Leistungsverzeichnisses bezüglich der Sollmengen bei einer eventuellen Detailpauschalisierung etc.,
    • Materialpreiserhöhung.
  2. betriebsbezogenes Wagnis:
    • Kalkulationsfehler und Kalkulationsirrtümer,
    • gestörter Bauablauf durch Witterungseinflüsse oder eigenes Verschulden,
    • Ausfall von bereits beauftragten preisgünstigen Nachunternehmern und Neuvergabe zu einem höheren Preis,
    • Zusätzlich Aufwendungen durch Mängelansprüche.
Im Vergabe- und Vertragshandbuch (VHB-Bund 2017) in der Richtline 510 Leitfaden Nachträge steht, dass sich „der Zuschlag für Wagnis und Gewinn wie folgt auf die Kostenfaktoren aufteilt: 50 % leistungsbezogenes Wagnis, 10 % unternehmensbezogenes Wagnis und 40 % Gewinn. Sofern der Auftragsnehmer eine andere Aufteilung nachweist, ist diese zu berücksichtigen.“
Würdest Du mit 50 % leistungsbezogenes Wagnis und 10% unternehmensbezogenes Wagnis kalkulieren, wäre Dein Angebot wahrscheinlich so hoch, dass damit keine Aufträge gewonnen werden könnten bzw. Dein Unternehmen nicht überlebensfähig sein würde.
Noch einmal zurück zu den Begriffen Wagnis und Gewinn: Es sind keine voneinander unabhängigen Begriffe. Richtig müsste es Gewinn mit Wagnisanteilen heißen. Die folgende Aufteilung bezieht sich somit auf den gesamten Zuschlag für Wagnis und Gewinn.
In kleinen oder mittelständischen Bauhandwerksbetrieben setzt sich dieser (gesamte Zuschlag für Wagnis und Gewinn) erfahrungsgemäß anders zusammen:
  • 10 max. 20% leistungsbezogenes Wagnis,
  • 10 max. 20% betriebsbezogenes Wagnis,
  • 90 min. 80% Gewinn.
Diese Prozentsätze beziehen sich immer auf die Basis der Einzelkosten der Teilleistungen sowie differenziert nach den einzelnen Kostenarten der EKT wie Lohn, Stoffkosten, Gerätekosten, Sonstige Kosten und Nachunternehmerleistungen.
Bleib neugierig!
PS: Mit der Kalkulationssoftware nextbau kannst Du ganz einfach die neuen EFB-Preisblätter (221 & 222) erstellen, denn die Aufgliederung des Wagnis-Anteils wird automatisch berücksichtigt. Auch für einen eventuellen Nachtragsfall kann dir das sehr helfen.
Ganz einfach die neuen EFB-Preisblätter erstellen
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